Leben als Mönch

 

Seit 1200 Jahren lebt in St. Peter eine Gruppe von Männern (meist waren es ca. 30 Mitglieder) nach der Regel des hl. Benedikt von Nursia. Es ist nicht leicht, das Leben in einem Kloster kurz zu beschreiben. Weil vieles im Leben eines Benediktiners nicht nur mit bestimmten Zeiten, sondern auch mit bestimmten Räumen verknüpft ist, versuche ich es kombiniert mit Bildern von Orten, die normalerweise nicht besichtigt werden können.
Der einzige Zweck eines Klosters besteht darin, den Menschen zu helfen, das Evangelium Jesu Christi ins Leben zu übersetzen. Zu diesem Zweck hat der hl. Benedikt um 500 seine
Regel entworfen. Drei wesentliche Elemente bestimmen unser Leben: die Lebensweise nach der Tradition unserer Väter und den Weisungen der Regel des hl. Benedikt, die lebenslange Verbundenheit mit unserem Kloster, und der Gehorsam gegenüber dem Abt. Der Alltag gleicht einem Teppich, in drei Farben gewebt: dem Gebet, der Lesung der Hl. Schrift und der Arbeit. Die Kurzformel lautet dafür: Ora et labora! Das Ziel des Mönchslebens ist dabei das gleiche wie das eines jeden Christen: den eigenen Egoismus durchschauen und überwinden und ein liebevoller Mensch zu werden.

Wenn also der Mönch alle Stufen auf dem Weg der Demut erstiegen hat, gelangt er alsbald zu jener vollendeten Gottesliebe, die alle Furcht vertreibt.
(Kap. 7 „über die Demut“)


Ort der ersten Kontaktnahme mit dem Kloster ist die Pforte. Ansonsten umgibt die vielzitierte Klostermauer den Lebensbereich der Mönche. Sie soll einen Raum der Stille und Sammlung beschützen. Freilich können Sie auch außerhalb des Klosters Mönchen begegnen, äußerlich kenntlich an ihrem Mönchsgewand (bestehend aus Habit, Gürtel und Skapulier), oder unerkannt in Zivilkleidung. Einige Mönche leben ständig außerhalb des Klosters, weil sie bei den Menschen der
Klosterpfarren wohnen, andere erledigen Arbeiten und Aufträge in der Stadt vom Kloster aus.
Reden und Lehren kommen dem Meister zu, Schweigen und Hören dem Jünger.
(Kap. 6 „über die Schweigsamkeit“)


Die Aufnahme der
Gäste gehört zu den heiligsten Pflichten der Benediktiner. Die Architektur spiegelt das wider, wie im Bild der für den Empfang hochrangiger Gäste bestimmte Abteisaal. Wer heute als Gast ins Kloster kommt, sucht Ruhe und Klarheit. Aber auch die Mönche wissen sich durch die Begegnung beschenkt, weil in jedem Menschen, den man von Herzen annimmt, Christus zugegen ist.
Alle Fremden, die kommen, sollen aufgenommen werden wie Christus; denn er wird sagen: "Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen."
(Kap. 53)


Der Kreuzgang (hier der barocke Teil) verbindet die einzelnen Räume des Klosters miteinander und umschließt den großen Garten. Er ist Erholungsraum und Lebensraum für verschiedenste Pflanzen und Tiere zugleich.
Das Kloster soll, wenn möglich, so angelegt werden, daß sich alles Notwendige, nämlich Wasser, Mühle und Garten, innerhalb des Klosters befindet und die verschiedenen Arten des Handwerks dort ausgeübt werden können. So brauchen die Mönche nicht draußen herumlaufen, denn das ist für sie überhaupt nicht gut.
(Kap. 66)


In der Marienkapelle treffen die Mönche sich viermal am Tag zum gemeinsamen Gebet für die Kirche und die ganze Welt. Das
Stundengebet ist erfüllt von den Psalmen, dem ältesten Gebetbuch der Christen, und spricht die ganze Vielfalt der menschlichen Existenz vor Gott aus. In der Stiftskirche feiern wir zusammen mit Gläubigen aus der Stadt und der Umgebung die Sonntage und die Höhepunkte des Kirchenjahrs.
Beachten wir also, wie wir vor dem Angesicht Gottes und seiner Engel sein müssen, und stehen wir so beim Psalmensingen, daß Herz und Stimme in und Stimme in Einklang sind.
(Kap. 19)


Im Kapitelsaal (im Bild das mittelalterliche Kapitel) treffen sich die Mönche zu Beratungen. Das wichtigste Recht der Mönche ist die freie Wahl des Abtes. Für alle bedeutenden Angelegenheiten muß der Abt den Rat (manchmal auch die Zustimmung) der Mönche einholen. Alle, auch die jüngsten, müssen gehört werden, weil der Heilige Geist durch das geringste Glied einer Gemeinschaft sprechen kann. Eine heikle Bewährungsprobe für jede Gemeinschaft ist die Bewältigung von Konflikten.
Sooft etwas Wichtiges im Kloster zu behandeln ist, soll der Abt die ganze Gemeinschaft zusammenrufen und selbst darlegen, worum es geht. Er soll den Rat der Brüder anhören und dann mit sich selbst zu Rate gehen. Was er für zuträglicher hält, das tue er.
(Kap. 3)


Bevor die Mönche zu den Mahlzeiten gingen, wuschen sie sich im Brunnenhaus die Hände. Auch den Gästen wurde, bevor sie das Kloster betraten, die Füße gewaschen, denn wie Jesus sagte „wenn ich dir nicht die Füße wasche, hast du keinen Anteil an mir.“
Wenn einer die Sachen des Klosters verschmutzen läßt oder nachlässig behandelt, werde er getadelt.
(Kap. 32)


Das Refektorium ist für die Mönche ein geistlicher Ort. Jesus hat oft das gemeinsame Mahl benutzt, um sich zu offenbaren. Auch für uns ist das gemeinsame Essen der Ort, wo der Leib und der Geist genährt werden und die gegenseitige Liebe eingeübt wird.
Die Brüder sollen einander dienen. Keiner werde vom Küchendienst ausgenommen, es sei denn, er wäre krank oder durch eine dringende Angelegenheit beansprucht; denn dieser Dienst bringt großen Lohn und läßt die Liebe wachsen.
(Kap. 35)


Die
Bibliothek ist die geistige Rüstkammer des Klosters. Im Zentrum der Lektüre steht die Heilige Schrift, in der Gott selbst mit den Menschen spricht. Der Vertiefung dient das theologische Schrifttum, aber auch die philosophischen und literarischen Werke, in denen die Probleme der jeweiligen Zeit zum Ausdruck kommen. Im Bild sehen Sie den auch für Benützer von außen zugänglichen Lesesaal aus dem 17. Jahrhundert.

Müßiggang ist der Seele Feind. Deshalb sollen die Brüder zu bestimmten Zeiten mit Handarbeit, zu bestimmten Stunden mit heiliger Lesung beschäftigt sein.
(Kap. 48)



Der intimste Bereich des Klosters wird von den vier Wänden der Mönchszelle umschlossen. Jeder Bruder bewohnt seine eigene Zelle, wo er schläft, liest, die Betrachtung hält oder meditiert. Sie ist der Ort des inneren Kampfes. Sie kann zum Gefängnis degenerieren, aber auch in ein Paradies auf Erden verwandelt werden.
Darum wollen wir uns der Unterweisung Jesu niemals entziehen und in seiner Lehre im Kloster ausharren bis zum Tod. Wenn wir so in Geduld an den Leiden Christi Anteil haben, dann dürfen wir auch mit ihm sein Reich erben.
(Prolog).


Wer sich darauf einläßt, sich von Gott führen zu lassen, wird irgendwann an die Grenzen seiner Möglichkeiten geführt werden. Dann erkennt der Mensch, daß alles Geschenk ist – wie die Theologie sagt, Gnade. Er lernt, die Verhärtungen des Herzens aufzubrechen und die Liebe Gottes einströmen zu lassen.

Und an Gottes Barmherzigkeit niemals verzweifeln
(letztes der Werkzeuge der geistlichen Kunst, Kap. 4)




Der vollständige Text der Regel des hl. Benedikt ist on-line verfügbar:

in deutscher Übersetzung
http://www.kloster-ettal.de/regel/index.html
oder:
http://www.benediktiner.de/regula/index.htm

und im lateinischen Original
http://www.erzabtei.de/antiquariat/Regula.html


Aktuelles - Panorama - Gegenwart und Geschichte - Stiftskirche St. Peter - Kirchenmusik - Gäste - Bibliothek, Archiv, Musikarchiv
Verlag St. Peter - Institute in St. Peter - Seelsorgestellen - Michael Haydn - Adressen, Lokalitäten - Links - Home
Webdesign: Reichenpfader EDV, St. Wolfgang